Für den eingeladenen Wettbewerb zum Neubau des Gemeindehauses an der Elisabethkirche in Rheine wurde ein Entwurf entwickelt, der das Gemeindehaus direkt an die Kirche anbindet und zugleich das bestehende Ensemble städtebaulich und denkmalpflegerisch respektiert. Der städtebauliche Grundgedanke basiert auf der Drehung des Satteldachkörpers, wodurch eine Parallelität zur Kirche hergestellt wird. Diese Orientierung verbindet Neubau und Bestandsbau sichtbar, während die eingeschossige Anbindung der Kirche den notwendigen Freiraum belässt und die Wirkung der Elisabethkirche als städtebauliche Dominante unterstützt. Das Satteldach, das den Gemeindesaal einfasst, setzt den Versammlungsraum in den Fokus und vermittelt durch seine Vertikalität Offenheit und eine höhere räumliche Dimension. Durch das Abknicken der eingeschossigen Gebäudekubatur entsteht eine Sichtachse auf den Kirchturm, die sowohl städtebaulich als auch denkmalpflegerisch die Bedeutung des Neubaus für das Ensemble unterstreicht. Der minimalinvasive Eingriff in das bestehende Denkmal erfolgt über eine eingeschossige Glasfuge, die die Anbindung an die Kirche ermöglicht. Gleichzeitig bildet der Hauptbaukörper einen gestalteten Innenhof / Kirchhof, der den Neubau räumlich zur Kirche hin rahmt und zusätzliche Aufenthaltsqualitäten schafft. Der Neubau greift die charakteristische Bauweise und das vorherrschende Fassadenmaterial Backstein auf, ohne historische Elemente zu imitieren. Die Fassade folgt einem Offen-Geschlossen-Prinzip: großflächige Verglasungen öffnen die Innenräume, geschlossene Wandflächen bestehen aus gedämpftem Wasserstrichklinker, der Sandsteinreferenzen der Kirche aufnimmt, langlebig und wirtschaftlich ist. Die Kolonnadengänge an Süd- und Westfassade aus Sichtbeton betonen den puren Charakter des Gebäudes und ersetzen einen außenliegenden Sonnenschutz. Aluminiumfenster und Metallarbeiten in Eloxal hellbronze (E6 C32) unterstreichen die Wertigkeit der Architektur. Die Konstruktion basiert auf einem ökologischen Holzrahmenbau, ergänzt durch ein Kalzip-Dach aus Aluminium. Dies ermöglicht eine wirtschaftliche, schlanke und leicht montierbare Dachkonstruktion. Vorteile des Holzbaus sind neben Nachhaltigkeit und regionaler Verfügbarkeit hoher Vorfertigungsgrad, optimal gedämmte Bauteile, robuste Konstruktion und CO₂-Speicherung. Sichtbare Materialien prägen den Innenraum: robuste Sichtholzwände, Holz-Akustiklamellen im Luftraum des Gemeindesaals, weiß verputzte Wände und eine flügelgeglättete Industriesohle mit integrierter Betonkernaktivierung bilden einen Kontrast zur warmen Wirkung des Holzes. Zusammengefasst besteht der Neubau aus vier Grundmaterialien: Holz, Beton, Wasserstrichklinker und Glas. Das Ergebnis ist ein selbstbewusstes, modernes Gemeindehaus, das sensibel auf die Elisabethkirche reagiert, städtebauliche Präsenz zeigt, offene und flexible Räume schafft und zugleich Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit vereint.
Zeichnungen: bauwerk